/../bauen, builden & Essen zubereiten/
Sie lesen den Artikel ...
building, Building Making, Building Technology, Metal Working, Werkzeug

Löten von Kupfer: Hartlöten oder Weichlöten?

Im Zusammenhang mit dem Bau eines Destillators stellte sich die Frage, ob man die betreffenden Kupferrohre per Hartlöten oder Weichlöten miteinander verlötet. Außerdem muß man ein lebensmittelechtes Lot verwenden, weil es sich um die Herstellung von Getränken handelt.

Weich- und Hartlöten sind die klassischen Verbindungstechniken für Kupferrohre. Die Auswahl und der Einsatz von Loten erfolgen nach dem jeweiligen Anwendungsfall und den zu verbindenden Grundwerkstoffen von Rohr und Fitting.

Der folgende Beitrag befasst sich mit den einzusetzenden Loten sowie den einzuhaltenden Arbeitsschritten beim fachgerechten Weich- und Hartlöten von Kupferrohren.

Grundsätzlich ist es so, daß man fast alle Kupferrohre weichlötet, mit wenigen Ausnahmen. Beispielsweise Druckluftleitungen und Öldruckleitungen werden immer hartgelötet.

Der wesentliche Unterschied vom Löten zum Schmelzschweißen besteht darin, dass beim Löten die Grundwerkstoffe nicht aufgeschmolzen werden. Durch Löten werden also zwei oder mehrere Werkstücke mit Lot und Flussmittel unter Verwendung von Wärme dauerhaft fest verbunden. Bei richtiger Arbeitsweise werden die Grundwerkstoffe vom Lot benetzt. Das Lot breitet sich aus und verbindet. Es können alle Metalle (wie Kupfer und Kupferlegierungen, Nickel und Eisenwerkstoffe) gelötet werden.

Der Unterschied zwischen Weich- und Hartlöten wird über die sogenannte Liquidustemperatur** der Lote definiert. Liegt diese Liquidustemperatur unterhalb von 450°C, handelt es sich um Weichlöten; liegt die Liquidustemperatur über 450°C handelt es sich um Hartlöten.

Typische Weichlote nach DIN EN 29453 für die Kupferrohrinstallation sind S-Sn97Cu3 und S-Sn97Ag3.

Bitte beachten: für das Weich- und Hartlöten von Kupferrohren in der Sanitär- und Heizungsinstallation sind nur eine geringe Anzahl an Weich- und Hartloten sowie dazugehörigen Flussmitteln zugelassen (maßgeblich DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.)!

Für Kupfer-Kupfer-Lötungen ist bei Einsatz der Kupfer-Phosphor-Lote (CP 203, CP 105) kein Flussmittel erforderlich. Bei Verbindungen von Kupfer an Messing oder Rotguss muss jedoch immer ein Flussmittel eingesetzt werden; die phosphorfreien Lote (AG 106, AG 104, AG 203) werden immer mit Flussmittel verarbeitet.

Vorbereitende Arbeitsschritte beim fachgerechten Weich- und Hartlöten

Die vorbereitenden Arbeitsgänge zum fachgerechten Weich- und Hartlöten sind gleich.

1. Ablängen

Kupferrohr rechtwinklig zur Rohrachse möglichst mit einem stabilen Teleskop-Rohrabschneider mit Feinvorschub ablängen. Dieser verhindert Deformationen des Rohres und trennt spanlos mit minimalem Innengrat.

2. Entgraten

Nach dem Trennen Rohrenden innen sorgfältig entgraten, um jede Verengung des Rohrquerschnittes zu vermeiden. Beim Ablängen mit einer Säge ist der zusätzlich entstehende Außengrat ebenfalls zu entfernen. Nach dem Entgraten Späne entfernen.

3. Kalibrieren

Anschließend die Rohrenden weicher Kupferrohre mit Hilfe eines Kalibrierringes wieder maßhaltig machen. Dies gewährleistet den für das Löten erforderlichen Kapillarspalt. Für fittinglose Verbindungen sind Kupferrohr-Expander mit Kapillarspaltoptimierung besonders geeignet.

4. Reinigen

Die Lötflächen der zu verbindenden Teile (Rohrenden außen und Fitting bzw. expandierte Rohre innen) mit metallfreiem Reinigungsvlies metallisch blank reinigen. Der evtl. anfallende Abrieb ist zu entfernen.

Arbeitsgänge beim Weichlöten.

Arbeitsgänge beim Weichlöten

1) Auf Rohrende Lotpaste oder Flussmittel gleichmäßig auftragen. Die Verwendung von Weichlotpasten ist vorzuziehen, da beim Erwärmen ein Schmelzen des Weichlotpulveranteiles sichtbar ist und dadurch ein Überhitzen vermieden wird.

2) Rohr und Fitting zusammenstecken.

3) Lötstelle erwärmen. Brenner so einstellen, dass sich ein klar sichtbarer Flammenkegel mit weichem Flammenbild ergibt. Lötstelle gleichmäßig und zügig erwärmen.

4) Sobald die Lotpaste silbrig zu glänzen beginnt, Lotdraht bei abgewandter Flamme hinzufügen, bis eine Hohlkehle sichtbar wird, die anzeigt, dass der Lötspalt gefüllt ist.

5) Nach dem Abkühlen Flussmittelreste entfernen.

6) Vorschriftsmäßige Druckprüfung und Spülung der Rohrleitungen durchführen.

Arbeitsgänge beim Hartlöten.

1) Lediglich bei der Verwendung von Messing- oder Rotgussfittings muss beim Einsatz von phosphorhaltigen Loten Flussmittel auf die Rohrenden aufgetragen werden. Beim Hartlöten von Kupfer-Kupfer-Verbindungen mit phosphorhaltigen Loten ist kein Flussmittel erforderlich. Auch beim Löten mit silberhaltigen Hartloten in der Rohrinstallation ist das gleichmäßige Auftragen von Flussmittel unerlässlich. Ab einem Rohrdurchmesser von 22 mm wird beim Einsatz von flussmittelummantelten Lotstäben die Verwendung von zusätzlichem Hartlötflussmittel empfohlen.

2) Rohr und Fitting zusammenstecken.

3) Lötstelle erwärmen. Brenner so einstellen, dass sich ein klar sichtbarer Flammenkegel mit kräftigem Flammenbild ergibt. Lötstelle gleichmäßig und zügig erwärmen, bis die Werkstoffe kirschrot glühend sind.

4) Hartlot in der Flamme abschmelzen bis der Lötspalt gefüllt ist und dabei mit der Flamme in etwas größerem Abstand das Kupferrohr glühend halten.

5) Nach dem Abkühlen ggf. Flussmittelreste entfernen.

6) Vorschriftsmäßige Druckprüfung und Spülung der Rohrleitungen durchführen.

“Grundlagen des Hartlötens” und “Grundlagen des Lötens in der Rohrinstallation”; BrazeTec GmbH – Degussa Löttechnik. Beide Hefte gibt es kostenlos im Internet www.brazetec.de

“Die fachgerechte Kupferrohrinstallation”; Deutsches Kupferinstitut. Ebenfalls kostenlos im Internet www.kupferinstitut.de

About 888ms

Deutsch in Asien

Discussion

Comments are closed.

Archives

%d bloggers like this: